Wer muss Wasser sparen?

Bisher galt: Je weniger Wasser wir verbrauchen, desto besser. Doch ist dem wirklich so? Was der Umwelt und dem Geldbeutel wirklich zugute kommt:

Literweise rauscht bestes Trinkwasser durch unsere Toiletten, waschen dreckige Wäsche und werden großzügig auf dem heimischen Rasen verteilt. Eigentlich eine unglaubliche Verschwendung einer kostbaren und aufwendig aufbereiteten Ressource, oder? Aufrufe zum Wasser sparen haben die Menschen sensibilisiert und zeigen Wirkung: Innerhalb der letzten 20 Jahre sank der Pro-Kopf-Verbrauch der Deutschen von 147 auf 123 Liter täglich. Wobei speziell die Sachsen und Thüringer mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 90 Litern täglich besonders sparsam sind.

Aber ist es tatsächlich sinnvoll, immer weniger zu verbrauchen? Genau das wird neuerdings angezweifelt. Selbst die Wasserunternehmen äußern Bedenken darüber, den Sparwahn noch weiter zu forcieren und sogar bei den Umweltschützern machen sich Zweifel breit: „Aus unserer Sicht ist ein effizienter Umgang mit Wasser sinnvoll – das Sparen um des Sparens willen aber nicht“, meint Bernd Kirschbaum, Awasserexperte beim Umweltbundesamt.

Überdimensionierte Rohre: Wenn Sparsamkeit mehr Arbeit macht

Unser Rohrleitungsnetz ist für ein reiches Wasserangebot und eine hohe Nachfrage ausgelegt. Bei einem drastisch sinkendem Verbrauch kann genau das zu ernsthaften Schwierigkeiten führen: Fließt nämlich zu wenig Trinkwasser durch die Rohre, weil nicht genug abgezapft wird, kann die Qualität des Wassers leiden: Denn stagnierendes Trinkwasser, das über einen längeren Zeitraum in den Leitungen steht, kann sich qualitativ verschlechtern.

Auch beim Abwasser kann zu große Sparsamkeit zu Problemen führen: Wird zu wenig Wasser durch die Abwasserkanäle gespült, bleiben z. B. Fäkalien liegen: Es entsteht Schwefelsäure und die frisst Löcher in die Leitungen. Also müssen die Rohre mit Wasser gespült werden, um entstehende Reparaturkosten zu vermeiden. In Berlin ist es gar soweit gekommen, dass die Wasserversorger bisweilen Frischwasser direkt in die Kanalisation pumpen müssen, weil einfach nicht mehr genug Abwasser produziert wird, das die stinkende Kloake wegspült.

Wasser um jeden Preis sparen, muss in Deutschland also niemand – verschwenden jedoch auch nicht. Wasser sparen bedeutet nämlich in der Regel auch Energie sparen – insbesondere, wenn es sich um Warmwasser handelt. Denn um das Wasser zu reinigen, ist ein hoher Energieaufwand nötig und die Abwasserentsorger sind meist die großen Stromverbraucher einer Kommune.

Übertrieben sparsam müssen wir bei Wasser in Deutschland also nicht sein, auch wenn es auf der Welt unzählige Gebiete gibt, in denen sauberes Wasser Mangelware ist. Leider nützt es den Menschen in wasser- und regenarmen Gebieten überhaupt nichts, wenn wir in Deutschland Wasser sparen. Der Trockenheit und Wasserknappheit in vielen Ländern können wir mit dem Wassersparen zuhause nicht abhelfen, denn frisches Wasser lässt sich nicht über weite Strecken transportieren.