Mythos Wasserfilter – Sinn oder Unsinn im Haushalt?

Der Markt für Wasserfilter ist groß. Es gibt sie in verschiedenen Varianten – als Tischkanne, als Kartusche oder Membranen, die in die Armaturen integriert werden oder die am Rohr befestigt werden. Die Preise der Wasserfilter reichen dabei von 20 Euro bis zu mehreren tausend Euro.

Meist stellt sich jedoch die Frage, ob ein Wasserfilter tatsächlich gebraucht wird? Als Ergebnis wird den Wasserfiltern oft zugeschrieben, dass sie Leitungswasser von Chemikalien, Pestiziden aus der Landwirtschaft, Medikamentenrückständen oder Schadstoffen wie Blei oder Asbest aus alten Wasserleitungen befreien. Diese Aufgaben werden jedoch bereits zuverlässig von den regionalen Wasserversorgungsunternehmen erledigt. Diese gewährleisten die Qualität des Leitungswassers bis zum Hausanschluss. D.h.: Leitungswasser entspricht den Vorschriften der Trinkwasserverordnung und ist frei von Krankheitserregern, ohne gesundheitsschädigende Eigenschaften und appetitlich, d. h. klar, farblos, kühl, geruchlos und geschmacklich einwandfrei.

Selbst gefragt sind allerdings auch die Hauseigentümer, denn für die Sicherstellung der Trinkwasserqualität durch intakte Wasserrohrleitungen im Haus ist der Eigentümer verantwortlich. Er muss gewährleisten, dass hier keine Verunreinigungen des Leitungswassers etwa durch Schwermetalle stattfinden. Bei Mietwohnungen ist es Aufgabe des Vermieters. Sind die Hauswasserleitungen bereits auf einem modernen Stand, sind Wasserfilter vor allem in Sachsen und Thüringen in der Regel nicht notwendig.

Inhaltsverzeichnis

 

Wie funktioniert ein Wasserfilter fürs Trinkwasser?

Trinkwasser gilt in Deutschland als das am besten kontrollierte Lebensmittel. Dies macht Wasserfilter fürs Trinkwasser in der Regel überflüssig. Vor allem in den Regionen Sachsen und Thüringen fließt besonders weiches und kalkarmes Wasser, sodass zusätzliche Wasserfilter fürs Trinkwasser die Qualität selten verbessern können. Es besteht sogar eher die Gefahr, dass durch Wasserfilter fürs Trinkwasser die Wasserqualität verschlechtert wird. Ausgenommen sind hierbei mechanische Partikelfilter, die direkt in die Hausinstallation integriert werden. Der Einsatz von Tischwasserfiltern oder Untertischgeräten kann sogar kritisch sein, doch dazu muss man wissen, wie die Wasserfilter fürs Trinkwasser funktionieren.

Umkehrosmose-Filter werden beispielsweise zwischen Rohr und Wasserhahn geschaltet und pressen das Leitungswasser durch eine durchlässige Membran. Tischfilter funktionieren mit Aktivkohle kombiniert mit Ionentauschern und binden gelöste Ionen im Trinkwasser. Dabei tauschen sie diese gegen Ionen gleicher Ladung aus. So soll Kalk beispielsweise entzogen und durch Natrium ersetzt werden. Hierbei kann es jedoch passieren, dass dem Wasser wichtige Mineralstoffe entzogen werden. Die größte Gefahr für das Trinkwasser besteht jedoch in der möglichen Verkeimung der Wasserfilter, wenn diese nicht regelmäßig gereinigt werden oder die Filterkartuschen nur unregelmäßig oder unsachgemäß ausgetauscht werden.

Sicherer ist es daher, dass Leitungswasser direkt aus dem Hahn zu trinken. Die Qualität ist bestens und wird durch die Wasserversorger regelmäßig kontrolliert und überprüft. Weiterhin konnten viele handelsübliche Wasserfilter fürs Trinkwasser bei Untersuchungen oftmals nicht überzeugen, weil sie die Wasserhärte nicht verlässlich verringern konnten oder der Weichmacher-Effekt schnell nachgelassen hat.

Welche Wasserfiltersysteme gibt es?

Ein Einsatz von Wasserfiltern macht in der Regel nur Sinn, wenn das Wasser nachweislich mit schädlichen Stoffen belastet ist, was selten vorkommt. Die Ursachen dafür liegen zudem zu allererst in der veralteten Hausinstallation und nicht an der Trinkwasserversorgung an sich. Denn sowohl während der Wasseraufbereitung als auch innerhalb der Leitungssysteme der Wasserversorger wird die Wasserqualität regelmäßig kontrolliert und nach strengen Vorschriften geprüft, sodass nur bestes Wasser zu den Verbrauchern gelangt.

Wichtig ist es auf jeden Fall, die passenden Wasserfiltersysteme zum jeweiligen Stoff zu wählen. Dies wird meist unterschätzt und Verbraucher durch irreführende Werbeversprechen verunsichert.

  • Wasserfiltersysteme mit Aktivkohle können organische Wasserinhaltsstoffe wie chlorierte Kohlenwasserstoffe, Pflanzenbehandlungsmittel oder Medikamente reduzieren. Ionentauscher als Wasserfiltersysteme entziehen dem Trinkwasser vor allem anorganische Teilchen wie Calcium- oder Magnesium-Ionen (Kalk) und tauschen sie gegen Natrium-Ionen. Ist der Austauscher jedoch voll, können die zurückgehaltenen Ionen plötzlich konzentriert an das Wasser abgegeben werden. Da die Geräte meist nur einen Druckanstieg anzeigen, bekommt der Verbraucher oft gar nicht mit, wenn dieser Prozess bereits begonnen hat. Ein generelles Problem dieser zwei Wasserfiltersysteme ist, wenn die Geräte zu lange nicht benutzt werden und Wasser in dem Behälter steht. Dann können sich unerwünschte Keime bilden. Auch kann eine Belastung mit Schwermetallen nicht durch einen einfachen Aktivkohlefilter oder einen Ionentauscher beseitigt werden.
  • Wasserfiltersysteme mit Umkehrosmose- oder Membran-Verfahren funktionieren mit elektrischen Pumpen, die das Leitungswasser durch eine in nur eine Richtung durchlässige Membran pressen. Größere Partikel wie Nitrat, Phosphat oder Schwermetalle werden so zurückgehalten. Nachteil ist hierbei allerdings, dass auch Mineralstoffe dem Wasser entzogen werden und es so beim dauerhaften Verzehr dieses „hochreinen“ Wassers zu einer Unterversorgung des menschlichen Körpers kommen kann. 
  • Wasserfilter als Destilliergeräte erhitzen das Trinkwasser auf 100 Grad Celsius. Dabei entsteht Wasserdampf, der über ein Rohr in ein anderes Gefäß geleitet wird, dort abkühlt und als gereinigtes Wasser aufgefangen wird. So werden Schadstoffe mit einem höheren Siedepunkt herausgefiltert, indem Sie im Ausgangsgefäß zurückbleiben. Wie auch Wasserfilter mit Umkehrosmose-Verfahren werden Destilliergeräte elektrisch betrieben. Das bedeutet, die Wasserfiltersysteme verbrauchen zusätzlich Energie und treiben die Kosten für die Trinkwasserversorgung in die Höhe.

Bevor Sie sich für Wasserfiltersysteme entscheiden, sollten Sie daher genau prüfen, ob sich ein Einsatz lohnt oder Geldverschwendung ist. Bei ihrem Wasserversorger können sie sich über die Trinkwasserqualität informieren und beraten lassen.

 

Vier Hinweise für Wasserfilter im Haushalt

Bevor Sie sich für einen Wasserfilter im Haushalt entscheiden, lesen Sie sich folgende Hinweise durch und fragen Sie sich, ob Sie tatsächlich das Geld für ein Zusatzgerät ausgeben wollen, das Sie eigentlich nicht brauchen und das im schlimmsten Fall die Wasserqualität negativ beeinflusst.

  1. Trinkwasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland, wodurch eine zusätzliche Aufbereitung durch Wasserfilter im Haushalt nicht notwendig ist. Alte Rohre oder Hausleitungen gehören ausgetauscht. Wasserfilter können in solch einem Fall die Belastung des Wassers mit Schwermetallen reduzieren, sind aber vom Eigentümer oder Vermieter zu beauftragen. Denn wesentliche Veränderungen an der Trinkwasseranlage dürfen nur Wasserversorgungsunternehmen oder eingetragene Installationsfirmen vornehmen.
  2. Oftmals werden Wasserfilter im Haushalt eingesetzt, wenn die Wasserhärte sehr hoch ist. Das hängt mit dem Calcium- und Magnesium-Gehalt im Wasser zusammen. Was viele nicht wissen: Hartes Wasser ist sogar gesünder, weil es dem Körper mehr Calcium- und Magnesium zuführt.
  3. Wasserfilter im Haushalt werden bei unsachgemäßer Pflege und Wartung schnell zu Keimherden. Die Behälter stehen eine längere Zeit ungekühlt im Zimmer oder werden über Nacht vergessen, sodass sich in dieser Zeit Keime vermehren können. Sie sollten daher möglichst immer frisches Wasser verwenden und Ihren Boiler mindestens alle drei Monate einmal aufheizen.
  4. Filterpatronen, Kartuschen oder Pads müssen regelmäßig und fachmännisch gereinigt oder ausgetauscht werden, da es sonst zu einer unkontrollierten Abgabe der Rückstände an das Wasser kommen kann und der Filtereffekt verpufft. Nicht nur die Ersatzteile, sondern auch der hohe Energieverbrauch bei elektrischen Wasserfiltern sollten im Vorfeld einkalkuliert werden und in die Entscheidung, ob ein Wasserfilter im Haushalt Sinn macht, mit einfließen.

 

Weniger filtern für puren Genuss!

Lassen Sie sich nicht von irreführenden Verkaufsargumenten der Wasserfilter-Hersteller beeinflussen, sondern vertrauen Sie auf ihr Bauchgefühl – und auf die gute Arbeit Ihrer Wasserversorger. Trinken Sie Leitungswasser am besten direkt aus dem Hahn und verzichten sie auf unnötige Bakterienherde in unzureichend gewarteten Wasserfiltersystemen. Sorgen Sie für eine gründliche Haushaltshygiene und vergewissern Sie sich, dass Ihre Hausleitungen auf dem aktuellen Stand sind, dann brauchen Sie sich um Ihre Trinkwasserqualität keine Sorgen mehr zu machen.

  • Trinkwasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland und entspricht höchsten Qualitätsanforderungen.
  • Nach §13 der Trinkwasserverordnung ist Trinkwasser keimarm und frei von krankheitserregenden Inhaltsstoffen.
  • Medikamentenrückstände im Trinkwasser können vorkommen, sind aber laut Meinung vieler Experten so gering, dass für den Menschen keine Gesundheitsgefahr besteht.
  • Gefiltertem Wasser können Mineralstoffe fehlen, die zu einer Unterversorgung beim Menschen führen.
  • Ohne regelmäßige Wartung verlieren viele Filter nach kurzer Zeit ihre Wirksamkeit und es besteht die Gefahr einer Verunreinigung des Wassers durch die Ablagerungen im Filter.
  • Wasserfilter sind in der Regel nicht notwendig und tragen kaum zu einer Verbesserung der Wasserqualität bei.

Das könnte Sie auch interessieren