Brunnen bohren will gut überlegt sein!

Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung gibt es in Deutschland nur wenige Menschen, die einen eigenen Hausbrunnen besitzen. Nämlich nur knapp 700.000 Menschen – also in etwa so viele Einwohner wie Frankfurt/M. hat, die fünftgrößte Stadt Deutschlands.

Wer einen Brunnen bohren darf und wer nicht, dafür gibt es Vorschriften, deren Einhaltung auch kontrolliert wird. Das Hauptproblem, wenn man selbst einen Brunnen bohren und sich mit eigenem Trinkwasser versorgen möchte, ist die mögliche Belastung des Brunnenwassers mit schädlichen Fremdstoffen oder Krankheitserregern. Diese können durch eine mangelnde Brunnenhygiene gefährlich für alle Nutzer des Brunnens werden. Als Brunnenbesitzer liegt es allein in Ihrer Verantwortung, dafür zu sorgen, dass das Wasser den Qualitätsanforderungen der Trinkwasserverordnung entspricht. Deshalb sollte es gut überlegt sein, ob man einen Brunnen bohren will.

In der eigenen Wasserversorgung steckt sehr viel Arbeit, Pflege und Wartungsaufwand sowie die Pflicht regelmäßiger Kontrollen durch Wasserversorger und Gesundheitsamt.

Die einfache und saubere Alternative zum Hausbrunnen ist der Anschluss an die öffentliche Trinkwasserversorgung. Hier entspricht die Wasserqualität der Trinkwasserverordnung. Das Wasser ist keimarm und nichtgesundheitsschädigend. Ein Liter Trinkwasser kostet im Schnitt gerade einmal 0,2 Cent. Außerdem sparen Sie sich den Arbeitsaufwand, den Sie hätten, wenn Sie selbst einen Brunnen bohren würden. Sie bräuchten sich um nichts mehr kümmern und wären immer sicher mit dem am besten kontrollierten Lebensmittel Deutschlands versorgt.

Inhaltsverzeichnis

 

Wer darf einen Brunnen bauen?

Generell kann sich jeder auf seinem Grundstück einen eigenen Brunnen bauen. Dieser muss jedoch bei der zuständigen Wasserbehörde sowie beim Gesundheitsamt angezeigt werden, vor allem wenn das geförderte Wasser als Trinkwasser genutzt werden soll. Denn hier gelten die Bestimmungen der Trinkwasserverordnung, in der Güteparameter für das Wasser festgelegt sind, deren Einhaltung durch regelmäßige Kontrollen nachzuweisen ist.

Geregelt ist die Anzeigepflicht des Hausbrunnens im sächsischen Wasserhaltungsgesetz. Rechtlich wird hierbei zwischen den formellen Bezeichnungen „dezentrale kleine Wasserwerke“ und „Kleinanlagen zur Eigenversorgung“ unterschieden. Diese werden umgangssprachlich aber auch als „Hausbrunnen“, „Eigenwasserversorgungsanlagen“, „Einzelwasserversorgungsanlagen“, „eigener Brunnen“ oder „eigene Quelle“ bezeichnet.

Einen eigenen Brunnen bauen sich die Verbraucher oftmals mit dem Ziel, unabhängig von der öffentlichen Wasserversorgung zu sein und um Geld für das Wasser zu sparen. So einfach, wie das klingt, ist das Vorhaben, einen Brunnen zu bauen jedoch nicht. Um den Brunnen bauen zu können, benötigen Sie handwerkliches Geschick, das notwendige Werkzeug und natürlich ausreichend Hintergrundwissen. Privatpersonen können dies meist nicht allein stemmen und müssen professionelle Brunnenbauer engagieren. Das schlägt sich in den Anschaffungskosten nieder.

Für die Wassergewinnung werden auch Apparate zur Förderung, technischen Aufbereitung, Speicherung, Fortleitung und Druckerhaltung bis zum Wasserhahn benötigt. Die meiste Arbeit ist sicherlich, den Brunnen zu bauen, aber es kommt auch noch weiterer regelmäßiger Pflege- und Wartungsaufwand und damit zusammenhängende Kosten auf die zukünftigen Brunnenbesitzer zu.

Rechte und Pflichten beim Brunnenbau

Die oberste Pflicht von Brunnenbesitzern ist es, die Qualität des Trinkwassers gemäß der Trinkwasserversorgung zu sichern. Dies gilt auch dann, wenn der Hausbrunnen nach Aussagen des Besitzers nicht für Trinkwasser, sondern nur für sogenannte „Brauchwasserzwecke“ genutzt wird.

Um notwendige Maßnahmen und zusätzliche Investitionen sollten sich Verbraucher bereits vor dem Brunnenbau informieren und sich beim zuständigen Gesundheitsamt beraten lassen. Das können potenzielle Brunnenbesitzer in Sachsen und Thüringen gleich mit der Anzeige des Hausbrunnens verbinden, zu der sie rechtlich nach § 13 der Trinkwasserversorgung sowohl beim Gesundheitsamt als auch bei der zuständigen Wasserbehörde verpflichtet sind.

Betreiber eines Hausbrunnens gelten als „Unternehmer oder sonstiger Inhaber einer Wasserversorgungsanlage“ und müssen den Auflagen des Gesundheitsamtes Folge leisten. Das gilt im Übrigen auch, wenn der Brunnenbau zusätzlich zur öffentlichen Wasserversorgung geplant ist.

Brunnenbau ist keine Privatsache

Auch wenn der Brunnenbau in erster Linie der Eigenversorgung dient, so sind viele weitere Personen von der Trinkwasserversorgung betroffen. Das umfasst alle Familienmitglieder, Besucher, Verwandte, Freunde, Gäste. Als Brunnenbesitzer sind Sie für die Gesundheit aller, die das Brunnenwasser konsumieren, mit verantwortlich. 

Verunreinigtes Trinkwasser ist eine Gefahr für viele. Beispielsweise Magen-Darm-Erkrankungen können sich über das Trinkwasser oder über den Kontakt des Wassers mit Lebensmitteln auf andere Personen übertragen und so Person über Person bis in Kindertageseinrichtungen und Schulen gelangen.

Schutzbestimmungen gemäß der Trinkwasserverordnung sind daher keine Empfehlungen, sondern ein Muss. Sie machen sich als Brunnenbesitzer strafbar, wenn Ihr Brunnenwasser nicht dem Qualitätsstandard gemäß der Trinkwasserverordnung entspricht.

Kostenfalle Hausbrunnen  

Eigen- oder Einzelwasserversorgungsanlagen, Brunnen, Quellen oder umgangssprachlich einfach Hausbrunnen – wie man es auch bezeichnet, es ist auf jeden Fall schwieriger einen Hausbrunnen zu bauen, als man sich es vorstellt. Viele technische Details müssen geklärt werden sowie Fragen über die Art des Hausbrunnens, ob Schachtbrunnen, Bohrbrunnen oder Quellfassung. Ebenso muss eine Entscheidung darüber getroffen werden, wer den Hausbrunnen baut – man selbst oder Fachmänner.

5 Kostenfaktoren beim Hausbrunnen

  1. Hohe Anschaffungskosten: Neben den Kosten für die Arbeitsstunden, erfordert der Hausbrunnen auch die Investition in ein Hauswasserwerk. Je nach Brunnentiefe liegt der finanzielle Aufwand im mittleren bis hohen vierstelligen Euro-Bereich.
  2. Stromkosten: Wer denkt, mit einem Hausbrunnen die Kosten für die öffentliche Wasserversorgung sparen zu können, der sollte sich im Klaren darüber sein, dass ein Hauswasserwerk mit Strom betrieben wird. Die hier anfallenden Stromkosten finden oftmals keine Beachtung, relativieren die vermeintliche Ersparnis der Wasserkosten jedoch entscheidend.
  3. Zubehör: Bewässerungsrohre, Wasserhähne, Schläuche usw. sind kleine, aber nicht zu vernachlässigende Posten beim Bau und Betrieb eines Hausbrunnens, die in Summe gerechnet einen erheblichen Kostenanteil ausmachen.
  4. Fehlbohrungen: Vor allem wenn sich Brunnenbauer dazu entscheiden, selbst Hand anzulegen und auf fachmännische Unterstützung verzichten, kann es schnell zu Fehlbohrungen oder Komplikationen kommen. Dazu zählen auch steinige Bodenverhältnisse oder Lehmschichten.
  5. Trinkwasserprüfung beim Gesundheitsamt: Als Hausbrunnenbetreiber sind Sie jährlich dazu verpflichtet, Ihr Trinkwasser durch das Gesundheitsamt auf mögliche Belastungen untersuchen zu lassen. Die Kosten für die Prüfung müssen Sie selbst zahlen.

Oftmals wird ein Hausbrunnen zusätzlich zu einem Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung betrieben. Damit wird zwar die Entnahme von Trinkwasser aus den Leitungen verringert, aber das führt zur Stagnation im Rohrnetz bzw. in den Anschlussleitungen. Das kann zu Qualitätsbeeinträchtigungen führen. Die notwendigen Reinigungsprozesse seitens der Wasserversorger sind aufwendig und teuer. Die vermeintliche Kosteneinsparung des Einzelnen zieht Kostensteigerungen für die Allgemeinheit und somit auch wieder für den Hausbrunnenbesitzer nach sich, wenn er parallel an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen ist. Wichtig ist in diesem Zusammenhang zu wissen, dass Verbindungen von Hausbrunnenleitungen mit Leitungen für Trinkwasser generell verboten und unzulässig sind. Ebenso müssen Eigenwassermengen über geeichte Wasserzähler gemessen werden, wenn das entstehende Abwasser in Kanäle der Wasserver- bzw. Abwasserentsorger eingeleitet wird. Diese Gebühren und Kosten kann man sich nicht sparen.

Fazit: Brunnenwasser ist nicht gleich Trinkwasser

Die Entscheidung für einen Hausbrunnen und für die Alternative, Brunnenwasser anstelle von Trinkwasser aus der öffentlichen Wasserversorgung zu nutzen, sollte gut überlegt sein. Neben dem hohen Arbeits-, Pflege- und Wartungsaufwand können sich einige Kostenfallen in dem Projekt Hausbrunnen verstecken. Nicht zu vergessen sind auch die gesetzlichen Pflichten. Zudem muss das Brunnenwasser jährlich kontrolliert werden, um mögliche Gesundheitsgefahren auszuschließen, die nicht nur Sie selbst, sondern ganze Personenkreise betreffen können. Als Hausbrunnenbesitzer obliegt das alles Ihrem Verantwortungsbereich. Die Hausbrunnennutzung muss in bestimmten Regionen auch beim örtlichen Wasserversorger angezeigt und eine „Teilbefreiung vom Anschluss und Benutzungszwang“ beantragt werden. Nicht alle Wasserversorger gestatten die häusliche Eigenwassernutzung.

Viele Verbraucher entscheiden sich für den Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung. Sie schätzen den einfachen und sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser und die überschaubaren sowie fixen monatlichen Preise. Viele schreckt es ab, die eigene Verantwortung für das Brunnenwasser übernehmen zu müssen und wollen keine bösen Überraschungen wie hohe Wartungskosten oder auffällige Brunnenwasserproben.

Die wichtigsten Punkte zum Thema Brunnenwasser im Überblick:

  • Trinkwasser vom Wasserversorger ist das am besten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland und kann unbedenklich konsumiert werden.
  • Nach § 13 der Trinkwasserversorgung ist eine Anmeldung des Hausbrunnens sowohl beim Gesundheitsamt als auch bei der zuständigen Wasserbehörde Pflicht für einen sicheren Betrieb und die Qualitätssicherung des Brunnenwassers.
  • Brunnenwasser liegt außerhalb der Kontrollen vom Wasserversorger und muss daher in eigener Verantwortung jährlich überprüft und auf Schadstoffe oder Krankheitserreger analysiert werden.
  • Brunnenbetreiber haften für mögliche Gefährdungen durch ihr Trinkwasser.
  • Reparaturarbeiten sollten von Profis durchgeführt werden
  • Ein Betriebsbuch über die Dokumentation vom Bau und Betrieb des Hausbrunnens ist ratsam, um schnell alle Informationen an einem Ort zu finden, falls ein Problem auftritt.
  • Ein Anschluss an die Wasserversorgung kann individuell beantragt werden.
  • Grundsätzlich sind Querverbindungen zum Trinkwassernetz verboten!
  • Leitungen, die mit Brunnenwasser betrieben werden, sind mit Schildern „Nichttrinkwasser“ zu kennzeichnen.

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